Die ersten Armbrüste finden sich bei
Tonfiguren von Qin Shihuangdi († 210 v.Chr.),
dem ersten Kaiser von China.
Die Armbrust in Europa stammt allerdings aus
einer getrennten Entwicklung, die aus dem 3.
Jahrhundert v. Chr. aus Griechenland kam. In
Xanten am Niederrhein fanden Archäologen in
einer Kiesgrube metallene Reste einer
römischen Torsionsarmbrust aus der Zeit um
Christi Geburt. Reste ähnlicher Waffen wurden
bereits in Spanien und im Irak gefunden. Ein
militärischer Einsatz der Armbrust durch
Legionäre ist daher wahrscheinlich. Die Römer
nannten diese Waffen Ballistae. Römische
Armbrüste mit Hornbogen werden auf den
Reliefs von Solignac und Saint Marcel bei Puy
dargestellt. Die Darstellung der letzteren
wird in das 1. Jahrhundert n.Chr. datiert.
Beide Waffen haben einen kurzen Schaft. Die
Sehne wurde (nach dem Relief von Solignac zu
urteilen) im gespannten Zustand durch die
sogenannte Nuss gehalten.
Spätestens den Normannen in Frankreich gelang
es, die Armbrust zu einer kriegstauglichen
Waffe in Europa weiterzuentwickeln. In der
Schlacht von Hastings (1066) setzten die
Normannen gegen die Angelsachsen Armbrüste
ein. Der Teppich von Bayeux, der diese
Schlacht und ihre Vorgeschichte darstellt,
zeigt allerdings keine Armbrüste; deren
Existenz wurde erst durch Ausgrabungen von
Armbrustbolzen auf dem Schlachtfeld bekannt.
In Europa wurde die Verwendung von Bögen und
Armbrüsten in Kämpfen zwischen Christen durch
das Zweite Lateranische Konzil 1139 verboten,
da sie wegen ihrer Reichweite und ihrer
Durchschlagskraft gegen Rüstungen als
unritterlich galten. Der Einsatz gegen
Heiden, insbesondere gegen
arabisch/islamische Gegner, blieb jedoch
erlaubt. Diese moralische Ächtung war jedoch
in der Kriegspraxis nicht durchsetzbar.
Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein
bekannter Förderer der Armbrust, Richard
Löwenherz, kam 1199 durch einen
Armbrustbolzen zu Tode.
Die Kadenz war im Vergleich zu den im 13./14.
Jahrhundert erfolgreicheren Langbögen aus
England wesentlich langsamer (1-2 pro Minute
gegenüber 2-stellig beim Langbogen). Sie war
daher weniger zur offenen Feldschlacht
geeignet, sondern mehr als
Scharfschützenwaffe für statische
Belagerungskämpfe. Weiterhin war die
Ausbildung des Schützen an der Armbrust
einfacher und stellte weniger physische
Ansprüche als die des Bogenschützen, so dass
sie aufgrund aller Faktoren zur Hauptwaffe
der Städter wurde. Aus dieser Tradition
entstanden die Schützengilden (siehe auch
Schützenbruderschaft) und regelmäßige
Schützenwettbewerbe als Training und
Leistungsprüfung für wehrhafte oder auch
wehrpflichtige Bürger.
Im späten 15. Jahrhundert wurde mit der
Arkebuse (Hakenbüchse) eine tragbare
Feuerwaffe konzipiert, die sowohl den Bogen
als auch die Armbrust bis zur Mitte des 16.
Jahrhunderts in großen Teilen Europas
verdrängt hatte.
In China gab es als Variante eine
Repetierarmbrust. Über der Schussschiene war
eine Führung mit Magazinkasten angebracht.
Betätigt wurde die Armbrust mit einem
Schwinghebel. Hebel vor: Sehne hängt sich in
der Führung ein. Hebel zurück: Sehne wird
gespannt und beim Erreichen des Endpunktes
freigegeben, wobei sie einen Bolzen aus dem
Magazin mitnimmt. Durch diesen Mechanismus
wird zwar für Armbrüste eine hohe Kadenz
erreicht, aber Reichweite, Zielgenauigkeit
und Durchschlagskraft sind bescheiden.
Deshalb wurde dieser Waffentyp vor allem zur
Abwehr von Massenangriffen eingesetzt, dabei
kamen teilweise vergiftete Bolzen zum
Einsatz. Es ist belegt, dass derartige Waffen
noch beim Boxeraufstand 1905 verwendet
wurden.
Mehrere Versionen historischer Armbrüste
finden sich zum Beispiel im bayerischen
Armeemuseum, Abteilung für Mittelalter in
Ingolstadt.