Unehrliche Berufe,
waren im Mittelalter gesellschaftlich geächtete Berufe.
Eine andere Bezeichnung hierfür wäre auch "gehrende Leute"

Unehrlich bedeutete damals, anders als heute, nicht "betrügerisch", sondern ohne gesellschaftliches Ansehen, Ehre.
Das heißt wiederum nicht, dass Menschen die unehrliche Berufe ausübten, unehrlich, ohne Ehre und Anstand waren.

Manche Berufe galten als unehrlich, weil sie besonders unangenehme Arbeit beinhalteten, z.B. die Kloakenreinigung oder die Tierkörperverwertung, andere weil sie als unmoralisch galten, z.B. Prostitution. Das Amt des Henkers fällt wohl unter beide Kategorien. Bei manchen dieser Berufe, beim Henker oder beim Abdecker, kann man diese Einstufung noch verstehen. Bei anderen dagegen, beim Schäfer, beim Müller, beim Leinweber, beim Bader oder beim Schornsteinfeger zerbrechen sich noch heute die Gelehrten die Köpfe, aus welchen Gründen sie geächtet wurden und damit aus der Gemeinschaft ausgestoßen worden waren.
Eine mögliche Begründung wäre: Leinweber zählen zu den unehrlichen Gewerben, weil sie wie die Müller im Verdacht stehen, ihre Auftraggeber zu benachteiligen. Das für den Bauern schwer zu kontrollierende Verhältnis zwischen abgeliefertem Garn und gewebtem Stoff spielt dabei sicher eine große Rolle. Die Angehörigen von unehrlichen Berufen waren damals in ihrem Stand gefangen, es war praktisch unmöglich, aus diesem Berufsstand herauszukommen. Kinder, deren Eltern einen unehrlichen Beruf hatten, konnten auch nur einen solchen Beruf ergreifen und nur in solche Familien einheiraten. Die Angehörigen unehrlicher Berufe bildeten eine gesellschaftliche Randgruppe, die oft abgesondert leben musste. Speziell die Abdecker und die Henker standen ganz unten in der gesellschaftlichen Rangordnung. Scharfrichter hatten ihr Haus oftmals außerhalb der Stadtmauer.

Die Unehrlichen gab es in der Mittelalterlichen Stadt oder - besser gesagt - an ihrem Rande, sie waren Menschen niederer Ordnung, die keinem der Stände angehörten.
Menschen, mit denen ein ehrsamer Bürger oder Bauer nicht in Berührung kommen wollte, deren Geld selbst der Krämer nur ungern annahm, die nach ihrem Tode keiner zu Grabe tragen wollte und die auf einem abgelegenem Fleckchens des Friedhofs begraben wurden. Und das alles nur, weil sie einen Beruf hatten, der als unehrlich galt.

Zu den unehrlichen Berufen gehörten damals unter anderem:
o Bader
o Bettler
o Büttel
o Chirurgen
o Gaukler
o Gassenfeger
o Gerichtsdiener
o Hebamme
o Heilkünstler
o Lohnkämpfer
o Musikanten
o Müller
o Nachtwächter
o Schäfer
o Schneider
o Spielleute
o Taschenspieler
o Töpfer
o Weber
o Zöllner - besonders verachtete und unmoralische Tätigkeiten
o Abdecker
o Henker
o Prostituierte
o Rossschinder
o Tierverschneider
o Totengräber
Diese Menschen wurden im täglichen Leben geächtet und diffamiert.
Sie durften kein städtisches Amt ausüben, keinen Grund erwerben und wurden nicht in Zünfte aufgenommen.
Ferner waren sie nur beschränkt geschäftsfähig.
In den Geruch der Unehrlichkeit kam man aber auch, wenn man bestimmte Handlungen vornahm:
- einen Galgen, ein Henkersschwert oder den Pranger berühren
- einen Hund erschlagen
- ein verendetes Tier abhäuten oder auch lediglich dabei zusehen